Fahrzeugtechnische Massnahmen zur Prävention von E-Trottinett-Unfällen
Einleitung
E-Trottinette etablieren sich zunehmend als fester Bestandteil und beliebtes Transportmittel der urbanen Mobilität. Mit der zunehmenden Verbreitung steigt jedoch auch die Zahl der Unfälle.
Damit E-Trottinette möglichst sicher im Strassenverkehr unterwegs sind, brauchen sie verschiedene fahrzeugtechnische Ausstattungen:
- Bremsen: zwei voneinander unabhängige Bremsen (z. B. elektronische Vorderradbremse + mechanische Hinterradbremse) und/oder regenerative Bremsen, um zusätzlich Energie zurückzugewinnen und die Wirkung zu verstärken
- Beleuchtung und Sichtbarkeit: starke Front- und Rücklichter (LED, permanent leuchtend, nicht nur bei Dunkelheit), Bremslicht, Reflektoren an Vorder- und Rückseite sowie an den Seiten (z. B. an den Rädern)
- Reifen und Fahrwerk: Luftreifen oder hochwertige Vollgummireifen mit gutem Profil für bessere Dämpfung und Grip, Federungssysteme (vorn und/oder hinten), um Stösse auf unebenen Strassen zu dämpfen
- Stabilität und Konstruktion: niedriger Schwerpunkt für bessere Fahrstabilität, robuster Rahmen aus Aluminium oder Stahl, rutschfestes Trittbrett mit ausreichend Platz
- Geschwindigkeit und Motorsteuerung: begrenzte Höchstgeschwindigkeit, sanfte Beschleunigung durch feinfühlige Gasregelung, Anfahrhilfe nur ab einer Mindestgeschwindigkeit, um unbeabsichtigtes Losfahren zu verhindern
- Zusatzfunktionen: Klingel oder Hupe, um sich bemerkbar zu machen; Diebstahlsicherung wie GPS-Tracker oder elektronisches Schloss, automatische Abschaltung bei Stillstand oder Umfallen
Bei den Kollisionsgegnern von E-Trottinetten spielen Personenwagen eine wichtige Rolle. Wenn diese Fahrzeuge mit moderner Technik ausgestattet sind, kann das entscheidend zur Unfallprävention bei E-Trottinett-Fahrenden beitragen. Während passive Sicherheitseinrichtungen wie Airbags erst im Moment eines Aufpralls wirken, zielt aktive Sicherheitstechnik – wie Fahrerassistenzsysteme – darauf ab, Unfälle bereits im Vorfeld zu vermeiden, etwa durch Warnungen oder automatische Eingriffe in kritischen Situationen.
Aktuelle Situation
Auch E-Trottinette können bereits heute über zahlreiche fahrzeugtechnische Sicherheitssysteme verfügen. Allerdings sind viele dieser Systeme und Ausstattungen aktuell nicht obligatorisch – und damit auch häufig nicht in den Fahrzeugen verbaut.
Für E-Trottinette der jüngeren Generationen sind zunehmend intelligente, sicherheitsfördernde Technologien wie Antiblockiersysteme (ABS) erhältlich. Mit ABS wird ein sicheres Bremsen auch auf rutschigem Untergrund ermöglicht, was bei den geringen Reifengrössen von E-Trottinetten vorteilhaft ist.
Passive Sicherheitseinrichtungen wie bei Autos (z. B. Knautschzonen oder Airbags) sind bauartbedingt nicht umsetzbar. Für den Schutz von E-Trottinett-Fahrenden ist es deshalb umso wichtiger, mit sicherheitsfördernden Massnahmen auch bei ihren potenziellen Kollisionsgegnern anzusetzen. Durch gezielte Massnahmen v. a. an der Fahrzeugfront kann die Verletzungsschwere im Falle einer Kollision gemindert werden (z. B. abgerundete Kanten, nachgebende Materialien, aktive Motorhaube). Darüber hinaus kann der Schutz der Benützerinnen und Benützer von E-Trottinetten durch die persönliche Schutzausrüstung wie Helm oder Protektoren erhöht werden (siehe Hinweis 1).
Präventionsnutzen
Die fahrzeugtechnische Ausstattung der E-Trottinette hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Sicherheit der E-Trottinett-Fahrenden. Es ist unbestritten: eine unzureichende Ausstattung mit fahrzeugtechnischen Sicherheitssystemen (z. B. keine oder zu schwache Lichter oder ungenügende Bremsanlagen) lassen das Unfall- und Verletzungsrisiko deutlich ansteigen.
Moderne elektronische Bremssysteme haben einen zusätzlichen Präventionsnutzen, indem sie die Fahrstabilität erhöhen und ein kontrolliertes Bremsen ermöglichen – auch auf rutschigem Untergrund.
Da viele dieser fahrzeugtechnischen Sicherheitssysteme nicht verpflichtend sind, ist ihre Verbreitung derzeit vermutlich noch gering und der aktuelle Präventionsnutzen im Gesamtunfallgeschehen der E-Trottinette kaum nachweisbar.
Der Präventionsnutzen von aktiven und passiven fahrzeugtechnischen Ausstattungsmerkmalen bei den potenziellen Kollisionsgegnern (z. B. Personenwagen) wird als hoch eingeschätzt. Insbesondere aktive Sicherheitssysteme wie moderne Varianten des Notbremsassistenten (mit Fussgänger-, Velo- und Trottinett-Erkennung) können viel zur Unfallprävention beitragen. Erfreulich ist, dass solche Systeme seit Juli 2024 in allen neu zugelassenen Fahrzeugen rechtlich vorgeschrieben sind.
Optimierungspotential
Das Präventionspotenzial von aktiven und passiven Sicherheitseinrichtungen bei E-Trottinetten ist noch nicht ausgeschöpft. Im öffentlichen und fachlichen Diskurs stehen verschiedene Optionen zur Diskussion, wie die Sicherheit weiter erhöht werden könnte.
Optimierungspotenzial bei E-Trottinetten liegt vor allem in der Verbesserung der aktiven und passiven Sicherheit. Technisch könnten sie mit Blinkern, intelligenten Beleuchtungssystemen und akustischen Warnsignalen ausgestattet werden, um ihre Sichtbarkeit im Strassenverkehr zu erhöhen.
Sensoren, Stabilitätsassistenten oder sogar kleine Airbags könnten das Verletzungsrisiko bei Stürzen oder Kollisionen verringern. Um Sturzrisiken zu minimieren, rücken zudem Verbesserungen wie grössere Reifen, breitere Trittflächen und bessere Federung in den Fokus. Auch ABS und strengere Sicherheitsnormen, etwa zur Bremsleistung oder Materialqualität, werden diskutiert. Langfristig sollen solche Massnahmen einheitliche Sicherheitsstandards fördern.
Durch Vernetzung mit anderen Verkehrsteilnehmenden (V2X-Kommunikation) und Datenanalyse zur Risikovorhersage könnten Unfälle verhindert werden. Geofencing ermöglicht standortabhängige Tempolimits; es wird derzeit jedoch nur bei Sharing-Modellen eingesetzt.
Alkohol-Interlock-Systeme werden zunehmend auch für E-Trottinette diskutiert, besonders im Verleihbereich. Einige Anbieter nutzen bereits kognitive Tests, um alkoholisierte Fahrten – insbesondere nachts und an Feiertagen – zu verhindern. Ausserdem werden Bewegungssensoren erprobt, die instabiles Fahrverhalten erkennen und automatisch die Geschwindigkeit drosseln.
Optimierungspotenzial bei den Kollisionsgegnern wie Personenwagen, Lastwagen und Bussen besteht vor allem in der Nutzung und Funktionalität moderner, aktiver Sicherheitssysteme. Die Assistenzsysteme sollten gezielt auf die Erkennung kleiner, wendiger Fahrzeuge wie E-Trottinette angepasst werden – etwa durch verbesserte Totwinkelassistenten, KI-gestützte Kamerasysteme und Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation (V2V-Kommunikation). Ergänzend dazu könnten weichere Fahrzeugfronten, automatische Bremsassistenten und seitliche Schutzsysteme helfen, die Schwere von Unfällen zu minimieren. Ein ganzheitlicher Ansatz, der Fahrzeugtechnik und Infrastruktur einbezieht, ist entscheidend für mehr Sicherheit im urbanen Verkehr.
Fazit
E-Trottinette bieten als urbanes Verkehrsmittel viele Vorteile, sind jedoch mit erhöhtem Unfallrisiko verbunden. Das fahrzeugtechnische Sicherheitspotenzial von E-Trottinetten ist noch längst nicht ausgeschöpft.
Verbesserte Bremsanlagen, ABS, intelligente Beleuchtung, Blinksysteme und Stabilitätsassistenten könnten die aktive Sicherheit deutlich erhöhen. Ergänzend dazu sollten motorisierte Kollisionsgegner mit präziseren Assistenzsystemen wie Notbrems- oder Abbiegeassistenten ausgestattet sein, die E-Trottinette zuverlässig erkennen. Eine stärkere Verbreitung und Standardisierung dieser Systeme ist zentral für mehr Verkehrssicherheit.
Hinweis
- Die persönliche Schutzausrüstung wird als eigenständiges Thema behandelt.
Quellen
[1] OECD / International Transport Forum ITF. Safe micromobility. Paris: ITF; 2020.
[2] European Commission. Road safety thematic report – Personal mobility devices. Brussels: European Road Safety Observatory ERSO; 2021.
[3] Kuratorium für Verkehrssicherheit KfV. E-Scooter im Straßenverkehr: Rollendes Risiko? [Presseinformation]. Wien: Kuratorium für Verkehrssicherheit KfV; 2020. https://www.kfv.at/wp-content/uploads/2020/11/PA-KFV-E-Scooter-im-Strassenverkehr.pdf. 31.03.2025.